Wenn wir nicht schnell handeln und vorausschauend planen, droht ein Großteil unserer Gebäude infolge des Klimawandels zu überhitzen. Das ist nichts Neues. Was mir vor allem Sorgen bereitet, ist, wie nah dieser Wendepunkt inzwischen ist.
Die niederländische Organisation OSKA (Overleg Standaarden Klimaatadaptatie) hat hierfür die ‘Kühlungsleiter’ entwickelt: einen klaren und logischen Denkrahmen, um Überhitzung nachhaltig zu bekämpfen. Der Kern? Gehen Sie in der richtigen Reihenfolge vor: Beginnen Sie mit einer kühlen Umgebung, halten Sie anschließend Sonnenwärme fern, nutzen Sie passive Kühlprinzipien und setzen Sie aktive Kühlung erst als letzten Schritt ein.
Das Modell macht die Herausforderung greifbar und die Lösung übersichtlich. Dennoch sehen wir in der Praxis noch allzu oft Gebäude, die ohne klare Vision entworfen wurden, wodurch aktive Kühlung schnell als einzige Option erscheint. Das liegt nicht nur an den Vorschriften oder dem Fehlen eindeutiger Planungsrichtlinien für den Sommerkomfort. Auch unsere Branche spielt hier eine wichtige Rolle. Als Sonnenschutzspezialisten müssen wir – als Teil der Baukette – aktiv zusammenarbeiten, um unsere Lösungen bereits in der Planungsphase ‘top of mind’ zu machen. Nur so realisieren wir nachhaltige und zukunftssichere Gebäude.
Die Vermeidung von Überhitzung geht nämlich über den reinen Sonnenschutz hinaus und beginnt zudem früher im Bauprozess, als oft angenommen wird: bei der Ausrichtung des Gebäudes, der Gestaltung der Umgebung, ausreichender thermischer Masse, intelligenter Belüftung und guter Dämmung. Das bedeutet, dass Zusammenarbeit keine Option mehr ist, sondern eine Grundvoraussetzung. Durch den Austausch von Wissen und das Verständnis für die jeweiligen Rollen gelangen wir zu besseren ganzheitlichen Lösungen.
Ich sehe jeden Tag, wie wertvoll es ist, wenn sich verschiedene Fachbereiche gegenseitig ergänzen. Die Zusammenarbeit zwischen Sonnenschutz, natürlicher Belüftung und nachhaltigen Heiz- und Kühlsystemen führt zu Lösungen, die nicht nur technisch besser funktionieren, sondern auch einen Mehrwert im Kampf gegen Überhitzung bieten. Deshalb mein Appell: Schauen Sie über Ihren eigenen Fachbereich hinaus. Nur so entstehen Gesamtlösungen, die nicht nur schön aussehen, sondern auch bautechnisch stimmen und zu zufriedenen Auftraggebern und Endnutzern führen. Mit effizienteren Prozessen auf der Baustelle, klaren Verantwortlichkeiten und optimalem Komfort als Ergebnis.
Je besser wir das Fachwissen des anderen nutzen, desto überzeugender ist das Endergebnis und desto größer ist das Vertrauen des Endnutzers. Dieses Vertrauen ist unerlässlich, insbesondere jetzt, da die Anforderungen an die Gebäudeperformance immer weiter verschärft werden und Überhitzung eine strukturelle Herausforderung darstellt. Sonnenschutz spielt dabei eine Schlüsselrolle. Diese Rolle können wir als Branche jedoch nur erfüllen, wenn wir uns auf der ‘Kühlungsleiter’ finden und tatsächlich zusammenarbeiten: also nicht aneinander vorbei agieren.
Letztendlich streben wir alle dasselbe an: Gebäude, in denen Menschen gesund und komfortabel leben und arbeiten können, ohne sich Gedanken über das Raumklima machen zu müssen. Mein Appell an die Branche ist daher klar: Seid offen für Zusammenarbeit, sucht schon früh im Prozess den Austausch und nutzt die Kühlungsleiter bewusst als Leitfaden. Nur so können wir Überhitzung unter Kontrolle halten – schon ab dem ersten Entwurf.